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Der Trost der Tauben
Noah, 14 Jahre alt, ist Taubenzüchter. Er lebt in einer Stadt, die unter der Herrschaft einer islamistischen Diktatur steht. Die Restaurants im Basar müssen religiöse Gesänge spielen, die Ladenbesitzer ihre Auslagen und ihr Sortiment anpassen. Was nicht mehr erlaubt ist, müssen sie verbrennen.
Auch Noahs Vater ist betroffen. Er ist gezwungen, die Schaufensterpuppen seines Ladens religionskonform zu kleiden. Frauenhaare, Gesichter und Haut auf Verpackungen übermalt Noah mit schwarzem Marker. Sein älterer Bruder ist zu den Mudschahedin übergegangen, seine Mutter und seine Schwester dürfen nicht mehr allein aus dem Haus.
Seine Tauben sind für Noah ein grosser Trost. Vom Dach seines Elternhauses sieht er sie aufsteigen und beobachtet ihre Runden am Himmel. Doch plötzlich steht ihr Leben auf dem Spiel.
Schlicht und knapp, dennoch behutsam erzählt Abbas Khider vom Verlust der Kindheit und vom Erwachsen werden in einer von Willkür und Gewalt bestimmten Gesellschaft. Eindrücklich zeigt er auf, wie totalitäre Herrschaft in den Alltag dringt.
Abbas Khider. Der letzte Sommer der Tauben. Hanser 2026